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Mobilitätsmanagement im Nidum, Sempach

Erstellt am 25.03.2025

In der Siedlung Nidum fällt das Sharing-Angebot bereits beim Arealzugang ins Auge (Bild: Trafiko AG). In der Siedlung Nidum fällt das Sharing-Angebot bereits beim Arealzugang ins Auge (Bild: Trafiko AG).

In einem beschaulichen Wohnquartier in der Gemeinde Sempach befindet sich die Siedlung Nidum. Das Mobilitätsangebot umfasst Parkplätze für Autos (1 PP pro Wohnung) sowie Abstellplätze für Motorräder und Velos in der Tiefgarage und im Aussenraum.

Innovativ ist die arealeigene Mobilitätsstation, welche verschiedene Sharing-Fahrzeuge am Standort zum Ausleihen bereithält. Was in urbanen Räumen besser bekannt ist, ist für eine ländlich geprägte Umgebung wie Sempach neuartig. Als Anreiz für die Nutzung erhalten die Bewohnenden Guthaben für die Nutzung der Sharing-Fahrzeuge gutgeschrieben. Autofreie Haushalte erhalten dies nicht nur bei Einzug, sondern jährlich als Mobilitätspaket. Zusätzlich enthält dies auch einen Gutschein für den Kauf von öV-Abos.

Profil & Eckdaten

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  • Freizeit
  • Auto

Investitionskosten

  • mittel (bis Fr. 50'000.-)
0 10'000 50'000
  • mittel (bis Fr. 50'000.-)

Jährliche Betriebskosten

  • hoch (ab Fr. 20'000.-)
0 5'000 20'000
  • hoch (ab Fr. 20'000.-)

Gemeindegrösse

  • < 5'000 Einwohner

Raumtyp

  • Ländlich / Dorf

Beispiel

Die Siedlung Nidum in Sempach

In einem Wohnquartier am Rand von Sempach liegt die Siedlung Nidum. Es handelt sich um einen Neubau mit 52 Wohneinheiten (2.5 bis 5.5 Zimmer-Wohnungen). Das Zentrum liegt rund 1 km entfernt, Einkaufsmöglichkeiten sowie der See befinden sich in Gehdistanz. Die nächste Bushaltestelle liegt 300 m entfernt und wird von drei Buslinien bedient.  

Das Areal verfügt über einen Parkplatz pro Wohnung, wovon 7 Parkplätze mit einer E-Ladestation ausgerüstet sind. Weiter sind im Aussenraum 12 Besuchenden-Parkplätze und ein Parkplatz für Carsharing vorhanden. Motorräder können in der Tiefgarage auf den kostenpflichtigen Motorrad-Parkplätzen abgestellt werden. Für jedes Haus stehen Veloabstellplätze vor den Hauseingängen sowie in einem Veloraum zur Verfügung.  

Alle autofreien Haushalte erhalten jährlich passend zur Wohnungsgrösse Mobilitätspakete, welche eine individuelle Mobilität ohne eigenes Auto fördern. Die untenstehende Tabelle zeigt die Arten und Beträge der Mobilitätspakete. Zusätzlich ist die kostenlose Nutzung des öffentlichen Bikesharings inklusiv. 

Die Mobilitätspakete für autofreie Haushalte im Überblick Die Mobilitätspakete für autofreie Haushalte im Überblick

Haushalte, welche über einen eigenen Parkplatz verfügen, können ebenfalls von der unlimitierten kostenlosen Nutzung des öffentlichen Bikesharings profitieren. Zusätzlich erhalten sie beim Einzug einmalig einen Gutschein im Wert von CHF 100 für die Mobilitätsstation. 

Die Mobilitätsstation bündelt das Sharing-Angebot im Aussenraum unter einem Unterstand. Sie umfasst 3 Velos von nextbike (öffentliches Bikesharing) sowie zwei E-Bikes, ein E-Cargobike, ein E-Roller und ein E-Auto von Trafikpoint. Ergänzt wird der Unterstand durch eine Handpumpe fürs Velo.  

Hintergrund

Standort / Rahmenbedingungen

Die Lage des Areals leicht zurückversetzt zur Hauptstrasse ermöglicht eine gute Erreichbarkeit ab Sempach sowie Sempach Station. Der See ist gleich auf der anderen Seite der Hauptstrasse gelegen (1 min zu Fuss). 

Aktive Mobilität

Für den Fussverkehr ist der Weg dem See entlang, vorbei an der Vogelwarte sehr attraktiv. So ist das Seeufer auch ein wichtiger Ort für die Naherholung. Alternativ zum Uferweg besteht ein durchgehendes Trottoir entlang der Hauptstrasse, über das man in 13 Minuten zu Fuss ins Zentrum gelangt. Das Nidum ist direkt an der Veloroute von Schweizmobil gelegen. Ins Zentrum von Sempach führt diese über die Hauptstrasse auf einem markierten Velostreifen. Der Weg dorthin dauert mit dem Velo 3 Minuten. 

ÖV

Mit dem öV gibt es stündlich 3 öV-Verbindungen nach Luzern. Dies erfolgt mit dem Bus ab der 300m entfernten Bushaltestelle Sempach Stadt, Vogelwarte. Der nächste Bahnhof ist Sempach-Neuenkirch, welcher mit dem Bus erreicht wird. Von da verkehrt im 30-Minuten-Takt die S-Bahn Sursee-Luzern-Baar oder stündlich der Interregio Olten-Luzern. 

MIV 

Sempach verfügt über einen eigenen Autobahnanschluss, der 5 Fahrminuten entfernt liegt und somit eine schnelle Anbindung nach Luzern und Sursee sowie darüber hinaus ermöglicht. Der Hauptverkehr in Sempach verkehrt über die Luzernerstrasse und verbindet den Ortskern mit Sempach Station, wo sich der Bahnhof und die Anbindung nach Neuenkirch und Nottwil befindet.  

Ausgangslage / Motivation

Das Nidum wurde als nachhaltige Siedlung entwickelt. Im Bau und Betrieb soll sich dies auch im Bereich der Mobilität zeigen. 

  • Ziel zur Erreichung einer SNBS-Zertifizierung.  
  • Leicht reduziertes Parkplatzangebot und Verzicht auf Zweitwagen. 
  • Attraktives Bus- und Bahnangebot ist vorhanden.   
  • Das Velo ist ein passendes Verkehrsmittel für die Distanz ins Ortszentrum. 

Vorgehen

Vor der Einreichung des Baugesuchs wurde ein Mobilitätskonzept verfasst. Kern ist die Einhaltung von maximal einem Parkplatz pro Wohnung für Bewohnende sowie ergänzende Angebote in Form von Sharing und Anreizen für alternative Verkehrsmittel.  

Die Finanzierung des Mobilitätsmanagements erfolgt über die Eigentümerin der Liegenschaft. Die Mobilitätsstation wird unterstützt durch die Albert Koechlin Stiftung. 

Massnahmen

Mobilitätsstation mit Abstellplätzen für Zweiräder inkl. Stromanschluss sowie einer Velopumpe. (Bild: Trafiko AG) Mobilitätsstation mit Abstellplätzen für Zweiräder inkl. Stromanschluss sowie einer Velopumpe. (Bild: Trafiko AG)

Stand: 2024

Bauliche Massnahmen

  • Mobilitätsstation mit attraktivem Erscheinungsbild 
  • Platz für E-Carsharing 
  • Platz für E-Rollersharing (Unterstand) 
  • Platz für E-Cargobikesharing (Unterstand) 
  • Platz für E-Bikesharing öffentlich und arealeigen (Unterstand) 
  • Velopumpe bei Sharing-Station 
  • Abschliessbares Velo-Parkierungsangebot in Veloräumen 
  • Parkplatzangebot Auto in Einstellhalle  
  • Zentrale Paketbox am Arealeingang 

Organisatorische Massnahmen / Anreize

  • Mobilitätsstation mit verschiedenen Sharing-Fahrzeugen von Trafikpoint nutzbar über Trafikpoint-App  
  • Kostenlose Nutzung öffentliches Bikesharing (nextbike) 
  • Mobilitätspakete für autofreie Haushalte nach Grösse der Wohnung  
  • Gutschein öV-Abo 
  • Gutschein Sharing arealeigene Station, einsetzbar für alle Verkehrsmittel (E-Auto, E-Roller, E-Cargobike, E-Bike 
  • Gutschein Sharing arealeigene Station bei Einzug für alle Haushalte (einmalig) 
  • Mobilitätsprovider als «Kümmerer» für Mobilitätsthemen in Siedlung Nidum 

Information und Bewusstseinsbildung

  • Mobilität als Thema in Vermarktung 
  • Mobilitätsinfos auf Vermarktungswebseite und Areal-App 

Wirkung

Verkehr

  • Bewohnende ziehen ein ohne Zweitauto. Das eigene Auto nutzen sie wo nötig, dafür nutzen sie auch Sharing, öV, Velo oder sind zu Fuss unterwegs. 
  • Durch die jährliche, finanzielle Beteiligung bestimmter Verkehrsmittel bei den autofreien Haushalten können die Anreize regelmässig justiert werden, um das Verkehrsaufkommen gezielt zu beeinflussen.  
  • Die Paketbox ermöglicht eine geordnete Paketzustellung und verhindert Mehrfachzustellungen oder zusätzliche Fahrten zur Post. 

Umwelt und Energie

  • Es wird wenig Parkraum im Aussenraum erstellt, was eine attraktive Aufenthaltsqualität ermöglicht.  
  • Dank Sharing werden weniger eigene Fahrzeuge notwendig. Dies spart Ressourcen in der Herstellung, dem Betrieb und im Unterhalt.  

Gesellschaft

  • Es entwickelt sich eine vielseitige Mobilitätskultur, die nicht vom eigenen Auto geprägt ist.  
  • Sharing schont nicht nur Ressourcen, sondern lädt auch zu sozialen Interaktionen ein.  

Wirtschaft und Finanzen

  • Die grosszügigen Mobilitätspakete sowie das komfortable Sharing-Angebot auf dem Areal sind ein Wettbewerbsvorteil in der Vermarktung. 
  • Es besteht ein reduziertes Parkplatzangebot gemäss Parkplatzreglement. Mit den erweiterten Mobilitätsangeboten und den finanziellen Anreizen wird eine vielseitige und nachhaltige Mobilität gestärkt. 

Erfahrungen

Erfolgsfaktoren

  • Mobilitätskonzepte werden meist in urbanen Räumen eingefordert. Das Nidum ist ein Beispiel, wie dies auch für ländliche Areale sinnvoll eingesetzt werden kann. 
  • Die Beiträge der Mobilitätspakete stellen einen echten Anreiz dar, da sie stattliche Beträge umfassen. Damit kann beispielsweise ein Grossteil eines öV-Abos gedeckt werden.  
  • Die Sharing-Gutscheine ermutigen die Nutzung des arealeigenen Sharings für Personen, die bislang noch keine Erfahrung mit einem solchen Angebot gemacht haben. Die Hürde ist klein, da die Gutscheine direkt ins Kundenkonto gutgeschrieben werden, sobald die Bewohnenden sich dort registriert haben. 
  • Das Mobilitätsmanagement wurde vom Zeitpunkt des Erstbezugs eingeführt. Somit wird nicht plötzlich ein Change durch die Eigentümerin initiiert, wie es bei einer Bestandesliegenschaft der Fall wäre.  
  • Das Mobilitätsangebot wird durch einen Mobilitätsprovider betreuet, was für die Eigentümerschaft den Aufwand reduziert und den Mietenden eine Ansprechperson ermöglicht.  

Hemmnisfaktoren

  • Trotz guter öV-Anbindung können viele Ziele in der ländlichen Umgebung einfacher mit dem Auto erreicht werden. Das Auto ist ein selbstverständliches Verkehrsmittel.  
  • Die Anbindung mit dem Velo ins Zentrum ist für geübte Velofahrende kein Problem. Für Kinder auf dem Schulweg ist das hohe Verkehrsaufkommen auf der Luzernerstrasse hingegen ein Hindernis. 

Auszeichnung

  • SNBS Gold Hochbau (Bewertungskriterium Mobilitätskonzept mit Kennwerten Abstellplätze Auto und Velo, Anreize MIV-Reduktion).

Weitere Informationen

Dieses Arealbeispiel wurde in Anlehnung an die Unternehmensbeispiele zum betrieblichen Mobilitätsmanagement und an das Praxis Beispiel «MIPA – Mobilitätsmanagement in Planungsprozessen von neuen Arealen» für die Beispielsammlung auf Mobilservice aufbereitet.  

Die Erarbeitung und Übersetzung entstand in Zusammenarbeit mit dem Fachverband Mobility Management Suisse MMS und wurde ermöglicht durch die finanzielle Unterstützung durch EnergieSchweiz. 

Weiterführende Links 

Kontakt 

Trafikpoint AG
Kastanienbaumstrasse 301
6047 Kastanienbaum

www.trafikpoint.ch  

Verantwortlich für die Ausarbeitung dieses Beispiels 

Fachverband Mobility Management Suisse MMS 
 
www.mms-gms.ch