Jahreskongress des französischen Fahrradverbands: eine Insel des Widerstands und der Begeisterung
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Erstellt am 02.04.2025
Modalfilter zur Strassenberuhigung in Montreuil (Foto: Stadt Montreuil)
Ende Februar 2025 fand in Paris der Kongress des französischen Fahrradverbands (Fédération française des Usagères et Usagers de la Bicyclette, FUB) statt. Der Kontext ist von Unsicherheit geprägt: Auf internationaler Ebene geben die geopolitischen Spannungen und die Verschiebung der Prioritäten bei Budgets zugunsten von Militär und Verteidigung Anlass zur Sorge für die Velobranche. In Frankreich könnten die Kommunalwahlen 2026 die politische Landschaft neu gestalten, nachdem die Wahlen 2020 von einem Durchbruch der Grünen und einer velofreundlichen Politik geprägt waren. Nach dem Tod eines Radfahrers, der im Oktober 2024 in Paris absichtlich von einem Autofahrer gerammt wurde, tauchte auch das Thema Gewalt im Strassenverkehr in der öffentlichen Debatte auf. Der Kongress, an dem Mitglieder der Zivilgesellschaft, Kommunalpolitiker:innen und Mobilitätsexpert:innen teilnahmen, nahm die Kürzung der öffentlichen Gelder zur Kenntnis. Er feierte aber auch lokale und bürgerschaftliche Initiativen und bekräftigte die Notwendigkeit, den Kurs der Energiewende beizubehalten und eine ehrgeizige Fahrradpolitik anzustreben.
In einer fröhlichen und entspannten Atmosphäre bot der Kongress ein umfangreiches Programm mit Vorträgen und Workshops rund um die drei Schwerpunkte "aktiv werden", "handeln" und "denken". Die Themen waren ebenso vielfältig wie frech, insbesondere "Make Europe Cycle Again!" oder die Auswirkungen der Männlichkeit auf das Mobilitätsverhalten. Es gab auch Exkursionen zu den Radwegen in Paris und seinen Vororten. Das Erbe der Olympischen Spiele 2024, Parkierung an Bahnhöfen oder Velostrassen waren Thema.
Während die Metropolen ihre Fahrradinfrastruktur weitgehend ausgebaut haben, können andere vorstädtische oder ländliche Gebiete nur schwer mithalten. Eine Exkursion zum Thema "Montreuil, Laboratorium für die Transformation einer Vorstadt durch das Fahrrad" bot eine gute Gelegenheit, sich ein Bild davon zu machen. Der Kontrast beim Überqueren der Ringstrasse war frappierend. Es gibt jedoch viele Bemühungen, um dem entgegenzuwirken wie die Schaffung von Radwegen oder Veloabstellplätzen. Vor allem aber wird der Verkehrsplan überarbeitet, um Autofahrer davon abzuhalten, die verstopften Hauptstrassen durch kleine Strassen zu umfahren. Dazu wurden modale Filter in Form von Plastikpfosten in der Mitte der Kreuzungen aufgestellt, damit nur Velofahrende und Fussgänger:innen passieren können. Später können diese Bereiche begrünt oder in Spielplätze umgewandelt werden.
Eine Raumplanung, die die aktive Mobilität fördert, steht auch im Mittelpunkt einer Reihe von OUVEMA-Webinaren. Jenes vom 20. März 2025 widmete sich dem Thema "Superblocks von Barcelona bis Zürich" und ist als Aufzeichnung verfügbar.
Weitere Informationen
- FUB-Jahreskongress 2025 in Paris: Programm (fr)
- OUVEMA-Vortragsreihe "Making cities attractive for active mobilities" (fr/en)
- OUVEMA, Replay des Vortrags vom 20. März 2025 über Superblocks (en)
- Mobilservice News Dossier zu Veloförderung und Velovielfalt (März 2025)
- Mobilservice News Dossier "Superblock, Supergrätzl oder Quartierblock - eine Idee geht um in Europa" (September 2024)
- Mobilservice News Dossier "Velostrassen kommen in der Schweiz an" (Oktober 2023)